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M.V.V.M.

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Montag, 17. September 2012, 08:39

Steiniger Weg

Dies ist eine exklusive Story, die ich zum Jubiläum geschrieben habe.

Ich stelle erst mal den Hauptcharakter vor:
Bradley Miller ist 48 Jahre alt und ist Chief beim NYPD. Er macht ein großes Geheimnis um seine Vergangenheit, in der er als Ermittler für verschiedene Bundesbehörden tätig war. Wird sein Geheimnis je gelüftet werden?

Die Story:
Der Bürgermeister von New York wird ermordet. Die Stadt trauert und sein Stellvertreter möchte die Täter schnell hinter Gittern bringen. Deshalb betraut er Chief Miller mit den Ermittlungen, da seine Methoden immer den gewünschten Erfolg bringen. Schnell hat er potentielle Verdächtige, doch alle umwebt ein Netz aus Lügen und Intrigen. Wird Chief Miller diesen Fall lösen können? Oder helfen ihm seine besonderen Fähigkeiten dieses Mal auch nicht weiter?

Mit freundlichen Grüßen

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Angel (1. Oktober 2013, 22:41), sven1421 (17. September 2012, 14:38)

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2

Montag, 17. September 2012, 08:56

Oha, es gibt was ganz Exklusives von M.V.V.M. :thumbsup:

Das hört sich ja wieder sehr spannend an. Da freue ich mich jetzt schon sehr drauf das zu lesen. :yahoo:

Super, dass Du das zum Jubiläum gemacht hast. Das hat sich das Forum auch verdient. :bluemchen:

Also dann bis zum Beginn der Story.

Liebe Grüße

Angel :angel:
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M.V.V.M. (17. September 2012, 11:39)

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3

Freitag, 28. September 2012, 08:05


Das hört sich ja wieder sehr spannend an. Da freue ich mich jetzt schon sehr drauf das zu lesen. :yahoo:

Hoffe, dass ich dich wieder unterhalten kann.

Und hier folgt auch gleich der Beginn der ersten Episode:

Episode 1: Merkwürdige Morde

Der Herbst war über New York hereingebrochen. Die Blätter der Bäume im Central Park lösten sich von den Ästen und fielen hinab auf den erdigen Boden. Die Besucher des Parks trugen alle schon warme Jacken und genossen die frische, kühle und abendliche Luft. Bürgermeister Halbridge saß in seinem Büro und las die Tagesberichte durch. Er warf einen Blick auf die Standuhr, die in der rechten Ecke seines Büros weilte und ein leises, rhythmisches Tick-Tack von sich gab. Halbridge war seit 2007 im Amt. Der 109. Bürgermeister der Stadt New York war ein sehr innovativer Mensch, der das Vertrauen der Bürger genoss. Nach beinahe 14 Jahren, war wieder ein Vertreter der Demokratischen Partei in dieses Amt gewählt worden. Jetzt musste er zeigen, was er alles besser machen konnte, um auch die nächsten Wahlen wieder zu gewinnen und auch die Zukunft für die Demokraten zu sichern. Er hatte in fünf Jahren viel bewirkt. Er hatte die Wirtschaft in New York angekurbelt und ein paar zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Viele Unterstützer hatten mitgeholfen, ihn in dieses Amt zu heben. Dabei hätte er vor fünf Jahren noch nicht geglaubt, in dieses Amt gewählt zu werden. Nachdem er sein Jurastudium an der Stanford University abgeschlossen hatte, arbeitete er auf ein Richteramt hin. Vor zwölf Jahren war es dann soweit. Er wurde Richter und war am Ziel seiner Träume angelangt. Vier Jahre später erreichte er den Posten Staatsanwalt und 2006 wurde er Abgeordneter der Demokratischen Partei. Ein Jahr später folgte die Wahl zum Bürgermeister. Eine sehr kurze Zeitspanne, doch die Leute, die die Wahlprogramme erstellten, leisteten gute Arbeit und so gewann er innerhalb von nur vier Monaten das Vertrauen von über 62 Prozent der Wähler. Das Wahlergebnis betrug am Wahltag: 79 Prozent für Halbridge und 21 Prozent für seinen Kontrahenten der Republikanischen Partei. Jonathan Halbridge hatte eine erfolgreiche Karriere hinter sich und war gerade mal 42 Jahre alt. Manche meinten, er sei für dieses Amt zu jung. Doch die meisten Leute aus der Mittelschicht standen voll hinter ihm. Er passte vollkommen in die Vorstellung der Amerikaner. Er war glücklich verheiratet, kam aus der Mittelschicht und wusste wie es war, knapp bei Kasse zu sein. Seine Ehefrau war nicht glücklich gewesen, als er das Amt antrat, doch mittlerweile hatte sie sich mit dem Gedanken angefreundet. Anne war sein Ein und Alles. Sie verlieh seinem Leben einen Sinn. Für ihn war sie die beste Frau der Welt. Ihr Sohn hatte erst vor kurzem seinen fünften Geburtstag gefeiert. Eine ruhige Feier im Kreise der engsten Freunde. Also hatte sich beinahe nichts geändert. Er griff sich das Telefon, wählte die Nummer und horchte. Nach dem dritten Klingeln hörte er ihre liebliche Stimme: „Hallo?“
„Hallo Schatz. Hast du Lust auf einen romantischen Spaziergang zu zweit?“
„Klar.“, sagte sie in freudigem Ton.
„Gut. Ich beende noch die Formalitäten und dann eile ich schon nach Hause. Bis dann.“
Er legte den Hörer auf die Gabel und machte sich dann wieder an die Arbeit.

Das Alter hatte Bradley Miller übermannt. Seine 48 Jahre ließen sich nicht mehr leugnen. Seine Haut war rau und seine Tränensäcke wiesen bereits Falten auf. Sein kantiges Gesicht war nicht mehr jenes, was es noch vor 12 Jahren war. Damals als er noch halbwegs trainiert war. Er wog 85 Kilogramm, was bei seiner Körpergröße von 1’90 durchaus angemessen war. Seine braunen Haare wurden langsam lichter und vereinzelt fand er schon graue Strähnen darin. Er saß hinter seinem Schreibtisch im Hauptquartier des New York Police Departments und überprüfte seinen Bericht. Er war nun schon seit drei Jahren in einer leitenden Position. Deputy Chief war schon die erste richtige Richtung. Irgendwann würde er Police Commissioner sein. Vielleicht aber auch nicht. Er war ein Arbeitstier. Sein Platz war draußen, auf den mittlerweile kalten Straßen New Yorks, wo er Verbrechen aufklärte. Auch wenn er nicht mehr der Jüngste war, so hatte er doch einen gewissen Ruf. Nicht umsonst, war er für seine Kollegen der beste Ermittler aller Zeiten. Aber langsam wurde es Zeit, kürzer zu treten. Der Grund war nicht sein Alter, sondern seine lausige Familienplanung. Er war zwar schon mehrfach verheiratet gewesen, doch nichts hatte gehalten. Er war kinderlos und lebte schon seit beinahe vier Jahren allein. Er schloss den Aktendeckel und öffnete die oberste Schublade auf der rechten Seite seines Schreibtisches und legte sie ordentlich auf den Stapel. Er verschloss sie mit einem Schlüssel und zog die unterste Schublade auf. Aus dieser holte er seine Dienstwaffe: eine SIG Sauer P226DAK im Kaliber 9 Millimeter. Er überprüfte nochmals, ob die Waffe gesichert war, ehe er sie in sein Halfter tat. Dann stand er auf und schlüpfte in seinen schwarzen Peacoat, der ihm bis zu den Oberschenkeln reichte. Die Waffe war verdeckt und auch seine Dienstmarke war verdeckt. Er schlug den Kragen auf und verließ sein Büro. Betrat den Fahrstuhl und kam wenig später auf die Park Row raus. Ein unangenehmer Wind schlug ihm entgegen und er schloss die Knöpfe seines Mantels. Der Weg zu seinem Wagen war zum Glück nicht weit und so saß er schnell im abgekühlten Inneren seines Wagens, ein alter Chevrolet Caprice des Baujahrs 1994. Er hatte diesen Wagen seit 1999 und war seitdem nicht mehr umgestiegen. Generell machte er sich nicht viel aus Autos. Sein Hobby war eher das Sammeln von Schusswaffen. Er verbrachte viel Zeit auf dem Schießplatz und war somit ein angemessener Schütze. Man hatte ihm sogar schon einen Posten in der Ballistik angeboten, doch er hatte abgelehnt. Er hatte es lieber, wenn er eins und eins zusammenzählen konnte.

Auch ein Bürgermeister hatte mal Freizeit. Halbridge hatte das Büro vor zehn Minuten verlassen und wurde daheim bereits von seiner Frau empfangen. Sie hatte sich warm angezogen und war bereit für einen Spaziergang. Er umschloss ihre zarte Hand mit seiner riesigen Pranke, die ihm beim Football immer viel geholfen hatte. Hand in Hand schlenderten sie durch die Straßen ihres Wohnblocks. Es war eine schöne Gegend, in der Nähe des Central Parks gelegen. „Wie war dein Tag?“, fragte ihn Anne und lächelte verlegen. Der gemeinsame Sohn Jackson lag bereits im Bett und schlief tief und fest. „Anstrengend. Hatte aber schon Schlimmere.“, erwiderte er gelassen. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und umfasste seinen gesamten Arm mit ihren beiden. So spazierten sie die Parkmauer entlang. Doch noch ehe sie den Park betreten konnten, näherte sich ihnen eine vermummte Gestalt. Er rempelte Jonathan an und hatte keine Sekunde später eine Waffe in der Hand. Schon fielen zwei Schüsse.

Die Heimfahrt nach Midtown West kostete ihn 21 Minuten. Dort nahm er als allererstes eine heiße Dusche. Dann schlüpfte er in seine bequeme Jogginghose und streifte einen blauen Kapuzenpullover der Küstenwache über. Dann ließ er sich auf seine Couch fallen und schaltete den Fernseher an. Er wechselte den Kanal auf CNN und wurde sogleich von einer schockierenden Nachricht überwältigt. Die Headline besagte folgendes: Bürgermeister Halbridge und Frau auf offener Straße erschossen.
Noch ehe er die Nachricht verdauen konnte, klingelte sein Telefon. Bradley hatte einen Verdacht, wer dran sein könnte und er sollte Recht behalten. Police Commissioner Fred Harlin. „Wir brauchen Sie am Central Park West. Es geht um …“
„Ich weiß worum es geht.“, erwiderte Bradley knapp. Er schlüpfte in seinen Peacoat, schnappte sich seine Dienstmarke und Waffe und eilte schon zu seinem Wagen.

5 Minuten später hatte er den abgesperrten Bereich erreicht. Die Lichter der Streifenwagen blitzten abwechselnd blau und rot auf und tauchten die Umgebung in jene Farben. Das gelbe Absperrband verwehrte Reportern und Schaulustigen den Zutritt zu dem Tatort. Miller hielt seine Marke in der Hand, als er sich dem Officer näherte, der ihn ohne Probleme zu machen, durchließ. Dann trat er an zwei mit Leichentüchern verdeckte Körper heran. Es bestand kein Zweifel. Bei den Personen unter den weisen Laken konnte es sich nur um Bürgermeister Halbridge und seine Ehefrau handeln. Bradley hatte einige Gespräche mit ihm geführt. War häufiger zu Gast in der City Hall. Deshalb konnte er die Größe von Halbridge gut einschätzen. Bei ihm war er sich zu hundert Prozent sicher, wenn er da vor sich hatte. Sie war eine andere Gelegenheit. Er kannte sie nur von Fotos in seinem Büro. Aber vermutlich war sie seine Ehefrau. Miller hatte keine Zweifel. Der Commissioner legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Haben Sie die beiden gekannt?“
„Ich war des Öfteren in seinem Büro. Zwei drei Mal in den letzten Wochen. Aber privat hab ich ihn nicht gekannt.“
„Trotzdem mein Beileid.“, erwiderte der Commissioner.
Miller nickte nur stumm. Musste als Antwort genügen. „Ich fange sofort mit den Ermittlungen an.“
„Sehr gut. Halbridge hat den Besten verdient. Und wenn jemand diesen Mistbock aufspürt, dann Sie. Sie bekommen alle Unterstützung die Sie brauchen Miller.“
„Das weiß ich zu schätzen Sir.“, erwiderte Bradley knapp.
Der Commissioner trat an die Reporter ran und gab sein Statement zu den bisherigen Anfängen ab. Miller schritt über den Gehweg und rekonstruierte den Ablauf. Halbridge war vermutlich mit seiner Ehefrau den Park entlangspaziert. Miller schritt nochmals zur Leiche und zog das Leichentuch ein Stück zurück. Halbridge war von einer kleinkalibrigen Waffe getötet worden. Aus nächster Nähe mit einer 22er, vermutete Miller. Ein hohes Risiko. Denn Kaliber 22 war nicht die beste Art jemanden hundertprozentig zu töten. Er hatte es selbst schon erlebt, dass Leute einen Kopfschuss überlebt hatten. Aber das waren keine Schüsse aus nächster Nähe. Bei diesem Opfer fielen die beiden Todesschüsse aus einer Entfernung von beinahe acht Metern. Hier hatte der Mörder seinen Opfern die Waffe an den Hinterkopf gehalten. Vermutlich mit einem Zentimeter Abstand. Würde das Muster der Schmauchspuren erklären. Miller deckte die Leiche von Jonathan Halbridge wieder zu und blickte dann die Central Park West hinunter. Der Killer hatte sich von hinten an sein Opfer herangeschlichen und beide exekutiert. Wie bei einer Hinrichtung. Er ließ sich die Liste mit den Fundsachen aushändigen und warf einen Blick darauf. Uhr und Brieftasche fehlten. Ein Raubmord? Welcher Räuber suchte sich den Bürgermeister von New York aus? Okay es war finster gewesen. Vielleicht aber auch eine Tat aus Verzweiflung. Die Armut war nicht zu unterschätzen. Viele Leute, obdachlose raubten Menschen aus. Aber die brachten selten jemanden um. Bei diesen Delikten handelte es sich um Taschendiebstahl, nicht Mord. Miller betrachtete die Eintrittswunden nochmals genauer. Wenigstens war der Tod sofort eingetreten, dachte er und blickte auf.

[Fortsetzung folgt ...]

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Freitag, 28. September 2012, 08:29

Wow was war das denn jetzt.:thumbdown:

Das war ja die reinste Hinrichtung. Und dann gleich den Bürgermeister und seine Frau. :( Und der Sohn allein zu haus oder wie. Na dankeschön. Das arme Kind. :(
Na hoffentlich finden sie diesen Verbrecher bald. :thumbup:

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf die Fortsetzung :yahoo: und lieben Dank fürs Schreiben. :bluemchen:

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M.V.V.M. (1. Oktober 2013, 19:26), sven1421 (30. September 2012, 12:39)

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Dienstag, 1. Oktober 2013, 19:29

Wow was war das denn jetzt.:thumbdown:

Da staunst was?

Das war ja die reinste Hinrichtung. Und dann gleich den Bürgermeister und seine Frau. :( Und der Sohn allein zu haus oder wie. Na dankeschön. Das arme Kind. :(
Na hoffentlich finden sie diesen Verbrecher bald. :thumbup:

Den Verbrecher finden sie nicht sobald. Das dauert schon noch ne Weile. Aber es wird ab diesem Part immer merkwürdiger.

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf die Fortsetzung :yahoo: und lieben Dank fürs Schreiben.

Nach über einem Jahr geht's jetzt auch weiter. Hab endlich wieder Zeit zum Schreiben gefunden. Viel Spaß dabei!

Episode 2: Spuren, wo keine sein sollten

Es würde eine lange Nacht werden. Die Streifenbeamten des NYPD hatten endlich die Flutlichtanlage aufgestellt, die den Tatort taghell werden ließ. Die Spurensicherung hatte ihre Arbeit mittlerweile erledigt und die gefundenen Beweismittel feinsäuberlich katalogisiert und in luftdichte Plastiktüten verpackt. Sie waren mittlerweile in ihr Labor zurückgefahren um dort mit der Analyse der gefundenen Spuren zu beginnen. Miller schritt auf und ab, zog sein Ding durch. Er war als einziger noch hier, was seine Gründe hatte. Denn irgendetwas störte ihn. Er konnte nicht sagen was, aber es gab da eine Sache. Er musste nur noch herausfinden was es war. Miller biss sich auf die Unterlippe. Es lag an der Art, wie die Beiden gefunden wurden. Sie lag zwei Meter von ihm entfernt. Es war unmöglich, dass sie so weit geschleudert wurde. Nein, da steckte etwas anderes dahinter. Die Leichen wurden vermutlich so platziert. Es sollte den Eindruck erwecken, es habe ihn zuerst erwischt. Die Frau konnte flüchten und wurde dann erschossen. Miller nahm sich nochmals die Zeugenaussagen vor. Es hieß, die Schüsse seien in schneller Abfolge gefallen. Das passte nicht dazu. Miller hatte Recht. Die Leiche von Mrs. Halbridge wurde so platziert, ehe der Täter mit Brieftaschen und Schmuck das Weite gesucht hatte. Das ergab sogar Sinn. Ein Raubmord lief nie glatt ab. Deshalb war das hier nur Show. Es sollte die Ermittler von dem eigentlichen Mord ablenken. Aber ich bin nicht irgend so ein dahergelaufener Detective mit Alkoholproblemen, dachte Miller und war mit sich selbst zufrieden. Er würde heute noch ins Büro fahren und dort auf die Ergebnisse der Spurensicherung warten, ehe er sich weiter mit der Suche nach Verdächtigen beschäftigte. Beim Verlassen des Tatorts fiel ihm noch eine Substanz auf, die am Boden klebte. Miller hielt an und ging in die Hocke. Bei der Substanz handelte es sich mit 99 prozentiger Sicherheit um menschliches Blut. Die Ermittler der Spurensicherung hatten wohl doch nicht so professionell gearbeitet, wie sie gehofft hatten. Aber wieso lag das Blut so weit von den Leichen entfernt? War es vielleicht vom Täter? Oder hatte die Tatwaffe ein paar Blutspritzer abbekommen, die bei der Flucht auf den Boden gefallen waren? Das war gar nicht so unlogisch. Bradley hatte vor ein paar Jahren schon mal erlebt, dass von dem Lauf der Waffe Blutstropfen des Opfers getropft waren. Miller nahm sein Smartphone und schoss ein Foto von den Blutlachen. Er wählte die Nummer der Spurensicherung und wartete bis jemand ranging. Nach dem vierten Klingeln meldete sich eine weibliche Stimme. „Hier ist Chief Miller vom Halbridge Tatort. Ich hab hier noch Blutspuren gefunden, die ziemlich weit von den beiden Opfern entfernt liegen. Schickt jemanden rüber, der sich darum kümmert.“
Dann legte er auf und machte sich auf den Weg zu seinem Wagen.

Jackson Halbridge schlief tief und fest. Doch ein lautes Krachen riss den Fünfjährigen aus den Schlaf. Er kletterte aus seinem Bett und ging zu seiner Zimmertür, die die verschiedenen Superhelden als Motiv abgebildet hatte. Sein Daddy hatte mit ihm zusammen die Tür mit Stickern beklebt. Er rief nach seiner Mami und erhielt keine Antwort. Der kleine wurde langsam weinerlich und hatte Angst. Wo war seine Mami?
Er hörte leises Geflüster und dann drehte sich der Türknopf seiner Zimmertür. Die Tür wurde aufgedrückt und eine riesige vermummte Gestalt stand vor Jackson. Für ihn war diese Gestalt ein Monster. Doch lauerte es nicht unter seinem Bett oder im Wandschrank, sondern es kam durch seine Zimmertür.

Die Nachbarn meldeten ein lautes Kreischen. Es hörte sich an, wie das Kreischen eines ängstlichen Kindes. Die Adresse war den Verantwortlichen nur allzu bekannt. Es handelte sich um die Adresse des getöteten Bürgermeisters Halbridge. Miller wurde über Funk informiert und raste zu der Adresse. Er hatte in seinem Privatwagen keine Einsatzlichter und musste sich somit mit wütendem Gehupe auseinandersetzen, dass von den Fahrern ausging, die er gerade überholt hatte oder denen er den Vorrang genommen hatte. Er parkte den Wagen, exakt zwei Minuten vom Tatort entfernt, vor der angegeben Adresse und lief hoch zur Eingangstür. Sie war abgesperrt. Miller läutete und gab sich als Polizist zu erkennen, der den Notruf untersuchte. Er wurde prompt eingelassen und eilte die Treppe zur Wohnung 185 hoch, die im ersten Stock lag. Bevor er jedoch den Flur zu diesem Stockwerk betrat, zog er seine SIG Sauer und schritt vorsichtig durch den spärlich, dafür atmosphärisch beleuchteten Gang und achtete besonders auf die Säulen, die hinter Wänden versteckt waren, aber doch hervorstachen und somit gute Deckung boten. Miller fand die Wohnungstür mit der Zahl 185 darauf und sah, dass diese aufgebrochen wurde. Er drückte sie vorsichtig auf, hielt dann aber doch inne, als er ein kurzes Kreischen vom Treppenaufgang hörte, dass aber keine Sekunde später schon wieder erstickt wurde. Ohne weitere Überlegungen anzustellen, spurtete er los und sauste den Flur entlang, zum westlichen Treppenhaus. Miller stieß die gläserne Doppeltür auf und wurde schon von schallgedämpften Schüssen empfangen. Er warf sich zurück in den Flur und hörte das Zischen der Kugeln, die über seinen Kopf hinwegsausten. Er kam wieder auf die Beine und machte sich vorsichtig, aber zügig an den Abstieg über die Treppen. Die SIG hatte er immer noch im Anschlag. Er blickte vorsichtig um die Kurve und wurde erneut mit Schüssen eingedeckt und in Deckung gezwungen. Miller sprang wieder ein paar Stiegen hinauf und feuerte dann blindlings drauf los. Seine Schüsse hallten lauter durchs Treppenhaus, da er keinen Schalldämpfer verwendete. . Er wollte das Kind zwar nicht gefährden, doch er musste diese Verbrecher in Deckung zwingen. Die Frage mit dem: Warum will jemand das Kind des kürzlich getöteten Bürgermeisters entführen, musste bis später warten. Er kroch auf allen vieren langsam wieder hinunter und kam nach Sekunden, die sich für ihn wie Minuten anfühlten, am Treppenabsatz im Zwischenstockwerk an. Die Hälfte war geschafft. Die Schüsse waren eingestellt worden. Miller riskierte erneut einen kurzen Blick und als er sah, dass die Luft rein war, sprang er auf und eilte die Treppe weiter hinab. Er suchte das Erdgeschoss, welches aus einem Foyer bestand nach einer potentiellen Bedrohung ab, doch alles war ruhig. Am Boden sah er in immer kürzer werdenden Abständen eine Blutspur. Er hatte den Schützen also getroffen. Zumindest hoffte er, dass er den Schützen getroffen hatte und nicht das Halbridge Kind. Er folgte der Blutspur und kam zum Hinterausgang. In der dunklen Gasse, wo die Sichtweite genau bei 5 Prozent lag, war es so gut wie unmöglich sie zu verfolgen. Also zog er, obwohl das Risiko ziemlich hoch war, eine Taschenlampe aus der linken Tasche seines Peacoats und leuchtete damit durch die dunkle Gasse. Am anderen Ende davon, entdeckte er eine Gestalt. Nicht groß, handelte sich dabei doch um ein Kind! Miller rannte darauf zu und erkannte dann, dass es sich um einen Jungen handelte. Und er war unverletzt. Miller war in irgendeiner Art und Weise erleichtert, dass es sich gelohnt hatte, zu schießen. Vermutlich war der verwundete Verbrecher nicht mehr in der Lage gewesen, den Kleinen weitermitzuschleifen. Also hatte er ihn einfach in der dunklen Gasse zurückgelassen. In der Ferne waren mittlerweile Sirenen zu vernehmen. Bradley beruhigte den Kleinen. Es würde schwer werden, ihm zu erklären, warum Mami und Daddy nicht mehr nach Hause kamen, doch das hatte Zeit. Vorrangig war, dass er unversehrt war. Die ersten Streifenpolizisten tauchten in der dunklen Gasse auf und kamen auf Bradley zu. Der hielt seine Marke in die Höhe und gab sich als Polizist zu erkennen. „Ich hab den Verdächtigen erwischt. Er ist aber trotzdem flüchtig.“, erklärte er den eintreffenden Einheiten. Er übergab den Jungen an die Streifenbeamten und ging wieder zurück in das Wohngebäude. Er wollte sich in der Wohnung noch etwas genauer umsehen. Also stieg er die Treppen wieder hinauf und hoffte, dass er noch rechtzeitig kam, ehe die Officers sämtliche Spuren vernichteten. Die Beamten waren gerade dabei, alles zu durchsuchen, doch Miller hielt sie davon ab. „Ist alles gesichert?“, war jedoch seine erste Frage. „Ja.“, erwiderte der leitende Beamte.
Miller nickte zufrieden. „Danke und jetzt alle raus hier. Ich will nicht, dass ihr irgendwelche Spuren vernichtet, die uns wahrscheinlich zu den Tätern führen kann.“
„Den Tätern?“, fragte ein Streifenpolizist etwas irritiert.
„Ja, den Tätern. Ich geh davon aus, dass es sich hierbei um zwei Personen gehandelt hat. Einer hat den Bürgermeister und seine Frau erschossen. Ein Anderer hat zwei Stunden später versucht, den Sohn des Paars zu entführen. Es wäre dumm, wenn der Killer der Halbridges noch hier rumläuft. Der wird sich allerhöchstwahrscheinlich am anderen Ende der Stadt verkriechen. Vielleicht ist unser zweiter Flüchtiger gerade dorthin unterwegs. Jedoch mit schlechten Nachrichten, denn der Junge befindet sich in unserer Obhut. Und jetzt verschwinden Sie alle von meinem Tatort.“
Miller blieb ruhig und sachlich, so wie immer. Er war nicht der Ich-trete-allen-in-den-Arsch-Boss. Die Tour mochte er nicht besonders. Er analysierte Situationen gerne. Achtete auf Details und zählte dann eins und eins zusammen, um zu sehen, wohin ihn seine Ermittlungen führten. Zwei Tatorte. Eine Nacht. Das war selbst für Miller eine ungewohnte Angelegenheit. Noch dazu, wo die beiden Tatorte keinen Kilometer auseinanderlagen. Die Streifenbeamten verließen die Wohnung und sperrten das Gebiet ab. Vor der Wohnungstür brachten sie ein gelbes Absperrband an, worauf deutlich zu lesen war: Crime Scene – Do not cross.
Miller machte sich ein Bild von der Lage. Jetzt war wieder Zeit für die Frage nach dem Warum. Warum sollte jemand in die Wohnung der Halbridges eindringen? Warum wollte jemand den Sohn des getöteten Paars entführen? Fragen, auf die er hoffentlich Antworten fand. Die Wohnung sah schlimm aus. Alles war verwüstet. Die Vitrinen allesamt leergeräumt. Scherben des Porzellangeschirrs waren auf dem Boden verteilt, vermischt mit einem feinen Splitterstaub der Vitrinentüren, die zertrümmert wurden. Irgendwas hatte der Eindringling gesucht. Es ergab aber alles keinen Sinn. Warum zerschmettert jemand die Einrichtung einer Wohnung, weckt den Jungen auf und entführt ihn dann, ohne den Gegenstand gefunden zu haben. Das ergab keinen Sinn. Der ganze Fall war irgendwie merkwürdig. Miller hatte es selten mit solchen Fällen zu tun gehabt. Was sollte das alles? Wieso wollte überhaupt jemand den Tod des Bürgermeisters? Miller war mittlerweile zu dem Schluss gelangt, dass es sich hierbei um eine gezielte Tötung handelte. Die Schlussfolgerung mit dem Raubüberfall hatte er seit der Schießerei endgültig über den Haufen geworfen. Miller ging ins Kinderzimmer. Hier sah alles ganz normal aus. Das Bett war noch warm. Er verließ das Zimmer wieder. Kontrollierte die anderen Räume. Alles in Ordnung. Der Eindringling hatte nur das Wohnzimmer verwüstet. Miller hatte das Eindringen einer zweiten Person nicht bemerkt. Konnte er auch nicht, denn sie war schon da, noch bevor er eingetroffen war. Auch die zweite Person war schwarz vermummt, hatte sich aber geschickt versteckt, wo kein Polizist nachgesehen hatte. In der rechten Hand hielt die Gestalt ein 17 Zentimeter langes Bowiemesser. Die Gestalt schlich sich von hinten an den ahnungslosen Miller an und holte mit dem Jagdmesser aus.

[Fortsetzung folgt …]
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Angel (1. Oktober 2013, 22:41)

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Dienstag, 1. Oktober 2013, 22:38

Schön, dass Du wieder da bist Mike. :thumbsup: Da gibt's ja endlich wieder regelmäßig Lesestoff von Dir. :freutanz:

Na da gibt's ja so einige Ungereimtheiten am Tatort. Die Lage der Leichen und dann diese ominöse Blutspur. Ich bin mal gespannt von wem das Blut am Ende tatsächlich ist. :thumbup:
Und zu allem Überfluss wollten sie auch noch den Sohn kidnappen. Der Kleine bekam ja den Schock seines Lebens. Und den nächsten bekommt er, wenn man ihm beibringen muss, dass seine Eltern nicht mehr leben. :omg:
Zum Glück war Miller rechtzeitig da, so ist wenigstens dem Jungen nichts passiert. Aber was passiert mit Miller? Erwischt ihn der Verbrecher mit dem Bowiemesser oder kommt er gerade noch so davon? Wow, das ist ja richtig spannend. Das ist mal wieder ein gemeiner cliffhanger. :wink:

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf den nächsten Teil :freutanz: und Dankeschön fürs Schreiben. :danke:

Liebe Grüße

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Freitag, 4. Oktober 2013, 11:32

Schön, dass Du wieder da bist Mike. :thumbsup: Da gibt's ja endlich wieder regelmäßig Lesestoff von Dir. :freutanz:

Ich bin auch froh, dass ich endlich wieder Zeit zum Schreiben gefunden habe. Hoffe der Einstieg in die Story fiel nicht so schwer, aber gab ja erst ein Kapitel ;):

Die Lage der Leichen und dann diese ominöse Blutspur. Ich bin mal gespannt von wem das Blut am Ende tatsächlich ist. :thumbup:

Beides wird noch dauern. So leicht mach ich's dieses Mal nicht. Es wird noch viel verworrener.

Aber was passiert mit Miller? Erwischt ihn der Verbrecher mit dem Bowiemesser oder kommt er gerade noch so davon? Wow, das ist ja richtig spannend. Das ist mal wieder ein gemeiner cliffhanger. :wink:

Den Cliffhanger löse ich jetzt wieder auf. Vorerst!

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf den nächsten Teil :freutanz: und Dankeschön fürs Schreiben. :danke:

Ich sage :danke: fürs Lesen und Kommentieren. Es freut mich, dass dir die Story gefällt.

Episode 3: Nichts ist so wie es scheint

Die Ereignisse um den Central Park fanden kein Ende. Immer wieder war das Heulen von Sirenen zu vernehmen. Die Sirene, die in diesem Moment ertönte, gehörte zu einem Krankenwagen, der auf dem Weg zum Roosevelt Hospital war. Die Fahrt dauerte ungefähr 6 Minuten. 6 Minuten, in denen der Notarzt um das Leben des Patienten kämpfen musste. Der Notarzt wusste nichts genaues, nur dass es sich hierbei um einen Angriff handelte. Der Verwundete hatte viel Blut verloren. „Joey, ruf in der Blutbank an. Wir brauchen ein paar Konserven Null Negativ.“, sagte der Notarzt zu dem Sanitäter, der auf der Bank neben ihm saß. Der Sanitäter holte sein Diensthandy aus der Tasche und machte den Anruf. „Lieferung in vier Minuten.“, sagte der Sani.
„Perfekt.“, sagte der Notarzt. „Dürfte zeitgleich mit uns eintreffen.“

Der Police Commissioner Harlin kam nicht zur Ruhe. Zuerst die Ermordung des Bürgermeisters, dann eine fast gelungene Entführung und schließlich eine hinterhältige Attacke auf den Deputy Chief, der den Fall leitete. Was war nur los in NY? Der Commissioner lief in seinem Büro auf und ab. Wann kam endlich der erlösende Anruf? Es reichte. Er wollte nicht mehr länger warten. Er drückte auf die Haustelefonfunktion und rief seine Sekretärin an. „Samantha, leiten Sie alle reinkommenden Anrufe auf mein Handy um. Ich fahr jetzt ins Krankenhaus und geh der Sache auf den Grund.“
Harlin verließ sein Büro und machte sich auf den Weg ins Krankenhaus. Während der Fahrt erhielt er mehrere Anrufe, alle vom Vizebürgermeister, der ein Update verlangte. Das ging alle fünfzehn Minuten so. „Ich will die Bevölkerung nicht in Panik versetzen. Das ist der schlimmste Tag seit dem 11. September 2001. Bringen Sie das in Ordnung Commissioner, oder Sie können in Frührente gehen.“
Alle standen unter großem Druck. Die bisherigen Anrufe interessierten Harlin nicht. Er wartete immer noch auf eine Nachricht vom Krankenhaus. Aber er war vermutlich eher da, als der Bericht zustande kam. Noch zehn Minuten Fahrt, dann konnte er sich selbst ein Bild von der Lage machen. Der Fall des Bürgermeisters war zwar immer noch Thema Nummer 1, doch intern ging das Leben eines Polizisten vor.

Im Krankenhaus angekommen wurde der lebensgefährlich Verletzte gleich samt der Bare in den OP gebracht. Jetzt ging es um jede Sekunde. Die Blutkonserven waren mittlerweile auch eingetroffen, also konnte man mit der Bluttransfusion beginnen. Es ging alles ziemlich hektisch zu. Die Kleidung des Verwundeten wurde auf dem Weg in den OP entfernt und die Wunden offen gelegt. Alles war blutverschmiert, die Blutung noch nicht gestillt. Der leitende Chirurg hatte schon öfter mit solchen Fällen zu tun gehabt. Nicht alle waren gut ausgegangen. Doch dieses Mal war es wichtig. Die Krankenhausleitung hatte ihn darüber informiert, dass es sich hierbei um den Fall des ermordeten Bürgermeisters handelte. Der Mann, den er gleich notoperieren würde, konnte viel zur Lösung des Falls beitragen.

Der Commissioner parkte direkt vor dem Roosevelt Hospital. Das Parkverbot interessierte ihn einen Dreck. Er eilte die Treppe hoch und die automatische Schiebetür öffnete sich. Er ging hindurch und traf auf Franklin, von der Spurensicherung. Er hatte die blutige Kleidung in einen Plastikbeutel gepackt. Der Commissioner ging auf ihn zu und wollte ins Bild gesetzt werden. „Wie sieht’s aus?“
Franklin, der bereits seit 10 Jahren leitender Ermittler der Spurensicherung war, schüttelte nur den Kopf. „Es war ziemlich blutig. Meine Leute untersuchen gerade den Tatort. Ich weiß nicht ob er durchkommt.“, erklärte er dem Commissioner.
Harlin seufzte und strich sich mit der linken Hand über seinen Schnurbart. „Ich bleibe hier und warte ab.“
Franklin nickte und machte sich auf den Weg zurück ins Labor, mit der blutigen Kleidung. Die Spurensicherung war mittlerweile auch im Dauereinsatz. Franklin musste auch die Leute von der Tagschicht herbitten um ihnen bei den Ermittlungen behilflich zu sein. Die Blutspur, die Miller gefunden hatte, war mittlerweile gesichert worden. Nun war ein Teil der Tagschicht damit beschäftigt, die Wohnung der Halbridges unter die Lupe zu nehmen.
Der Commissioner fragte die leitende Krankenschwester nach dem Weg zu dem OP-Saal, wo gerade eine Notoperation durchgeführt wurde. Sie erklärte ihm den Weg und er bedankte sich, ehe er weiterging.
Er hielt sich an die Überkopfwegweiser und fand relativ schnell zu den Warteräumen vor den OP-Sälen. Dort kam bereits einer der Chirurgen raus und schüttelte den Kopf. „Wir haben getan, was wir konnten.“, sagte der verantwortliche Chirurg. „Okay. Dann übernehmen wir jetzt.“, erwiderte der Commissioner.

„Was ist in dieser Wohnung passiert?“, fragte Harlin. Er hatte Franklin dran und wartete auf eine Erklärung. „Miller wurde von hinten überrascht. Die Einsatzkräfte dürften den Angreifer übersehen haben, als sie die Wohnung durchsuchten. Er hatte sich vermutlich im Wäscheschacht versteckt. George ist schon dran und untersucht mit seinem Team gerade die gefundenen Spuren. Aber der Mann hatte Handschuhe an, also stehen die Chancen schlecht, dass wir irgendwas finden, was uns Aufschluss über die Identität des Angreifers gibt. Wenn wir was haben, informiere ich Sie auf der Stelle.“
„Danke Franklin.“, erwiderte Harlin und legte auf.
Die Sache mit Miller hatte nun Vorrang. Eine Attacke auf einen leitenden Polizist hatte immer Vorrang. Noch dazu, wenn keine zwei Stunden vergangen waren und der leitende Ermittler eines brisanten Falls Ziel eines Attentats war.
„Sie hätten auch einfach mich fragen können.“, warf eine Stimme ein.
Der Commissioner drehte sich um und war über den Anblick etwas aufgebracht. „Was tun Sie noch hier? Sie sollten doch nach Hause gehen und erst Mal zur Ruhe kommen.“
„Ich brauche nicht zur Ruhe kommen.“, erwiderte Miller. Er hatte nun eine Einsatzjacke des NYPD an, da die Spurensicherung seine Sachen mitgenommen hatte.
„Das war vermutlich erst der Anfang.“, sagte der Commissioner.
Miller nickte. Er war bereits selbst zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Sache noch nicht vorbei war. „Hängt das mit dem Halbridge Fall zusammen?“, fragte der Commissioner.
Miller nickte wieder und erwiderte: „Vermutlich.“
Der Commissioner seufzte und griff sich an die Stirn. Nun musste er eine Entscheidung fällen. Sollte er Miller, den Vorschriften gemäß, abziehen und unter Polizeischutz stellen? Oder sollte er ihn weiterermitteln lassen und so gefährden? Miller war der beste Mann des NYPD. Es wäre dumm, seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe nicht für diesen Fall zu nutzen. Allerdings war die Sache mit dem Anschlag doch ziemlich heikel. Was, wenn Miller nicht zufällig die Spiegelung in den Scherben gesehen hätte? Was, wenn er jetzt anstatt des Mistkerls tot auf dem OP-Tisch läge?
Als ob Miller seine Gedanken gelesen hätte, sagte er: „Ich bleibe an dem Fall dran.“
„Sie haben kein Mitspracherecht bei dieser Entscheidung.“, sagte der Commissioner. „Warum sollte ich Sie nicht sofort abziehen.“ Er wollte es von Miller selbst hören.
„Weil es falsch wäre. Ich kann diesen Fall lösen.“
„Eben hat jemand versucht Sie zu töten.“
„Und er ist gescheitert.“, erwiderte Miller. „Das war nicht das erste Mal, dass jemand mich umbringen wollte.“
Das reichte dem Commissioner schon. Er tat noch so, als ob er zögern würde und sagte dann: „Na schön. Sie bleiben an dem Fall dran. Wir fahren jetzt ins Büro und warten dort auf die Ergebnisse der Spurensicherung.“

Miller verzog das Gesicht. Er wollte eigentlich wieder in die Wohnung zurückkehren und die Tat rekonstruieren. Aber er lenkte auf den Vorschlag des Commissioners ein. „Okay.“
Er und der Commissioner verließen das Krankenhaus. Die Leiche wurde in diesem Moment vom verantwortlichen Gerichtsmediziner abgeholt, der den Beiden auf dem Weg zum Ausgang begegnete.
Draußen angekommen atmete Miller einmal kurz durch. Was für eine ereignisreiche Nacht. Zuerst tötete jemand den Bürgermeister und seine Frau. Dann wollte, wahrscheinlich derselbe, Jemand den Sohn des Paars entführen und dann wurde Miller auch noch von hinten attackiert. Der Commissioner ging vor und stieg in den Wagen, der nicht angetastet wurde. Die Polizisten hier in der Umgebung kannten den Weg von ihrem obersten Vorgesetzten. Den traute sich niemand strafen. Miller stieg gerade die Treppen hinab, als Schüsse fielen. Zwei durchschlugen die Windschutzscheibe des schwarzen Gefährts und zwei weitere sausten in Miller’s Richtung.

[Fortsetzung folgt ...]

Mit freundlichen Grüßen

M.V.V.M.
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Angel (4. Oktober 2013, 15:02)

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8

Freitag, 4. Oktober 2013, 15:20

Ui, was für eine Fortsetzung. :eek:

Man konnte echt die ganze Zeit meinen, dass es wirklich Miller erwischt hat. Bis plötzlich hinter dem Commissioner die Stimme von Miller kam. :thumbup:
Und der lässt sich natürlich auf keinen Fall vom weiteren Ermitteln abhalten. Da hat auch der Commissioner keine Chance. :thumbsup:
OMG, eben hat man durchgeatmet und schon geht's wieder los. Kaum kommen sie aus dem Krankenhaus wird auch schon auf sie geschossen. :fear2: Und schon wieder so ein fieser Cliffhanger. :wink: Hat es Miller jetzt etwa wirklich erwischt? Oder womöglich den Commissioner? Ich bin wirklich schon sehr gespannt wie das weitergeht. :2daumenhoch:

Und deshalb freue ich mich schon wieder auf das Update :freutanz: und lieben Dank fürs Schreiben. :danke:

Liebe Grüße

Angel :angel:
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